„Nicht alle Inder machen Yoga!“

von GBG-Online Redaktion

Der Q2-Englisch-LK von Frau Reiners bekam wieder einmal Besuch – dieses Mal aus Brighton im Vereinigten Königreich. Tapodeb Mukherjee studiert dort an der University of Brighton „Social Politics and Practice“ und ist zu uns nach Deutschland gereist, um den Schülerinnen und Schülern des LKs über seine Heimat Indien zu berichten.

Sehr lebhaft und gut verständlich schilderte er zu Beginn der Doppelstunde die Geschichte seines Heimatlandes Indiens, wie sich das Land von einem der reichsten zu einem der ärmsten der Welt entwickelte und sich durch zwei Kriege seine Unabhängigkeit erkämpfte. Außerdem erklärte er das politische System und die Klassengesellschaft, die noch heute existiert. Im Gegensatz zu Europa sind die Klassenunterschiede und das Wohlstandgefälle in Indien enorm.

Neben den wirtschaftlichen, politischen und historischen Fakten über Indien sprach Taps mit den SuS auch über kulturelle und gesellschaftliche Aspekte. Unter anderem machte er die Rolle der Frau und die arrangierten Heiraten zum Thema. Eine Liebesheirat wird in Indien als nicht normal angesehen und der Mann ist sehr deutlich über die Frau gestellt. Werdenden Eltern darf in Indien mittlerweile vor der Geburt ihres Kindes nicht mehr mitgeteilt werden, ob sie ein Mädchen oder einen Jungen bekommen, um eine Abtreibung von Mädchen zu verhindern.

Beim Thema Homosexualität wurde es für Tapodeb sehr persönlich. Homosexualität steht in Indien unter Strafe, weil es als ein Verbrechen gilt. Tapodeb steht trotzdem dazu, homosexuell zu sein. Das sei der größte Grund, Indien verlassen zu haben und auch nie wieder betreten zu wollen. „In Brighton fühle ich mich sehr wohl. Dort kannst du mit nichts Anderem als einem rosa Tutu bekleidet die Straße betreten und es würde keiner verwundert sein“, sagt er lächelnd. „Ich weiß noch, wie es war, als ich es meinen Eltern sagte“, erzählte er, „sie waren geschockt und das erste, was sie fragten war: ‚Was sagen wir bloß unseren Nachbarn?‘ Die Nachbarn waren wichtiger als ich!“ Die Ehe von Taps‘ Eltern entstammt übrigens auch einer arrangierten Heirat.

Zum Schluss beantwortete Tapodeb den Schülerinnen und Schülern noch einige Fragen und musste Frau Reiners in einem Punkt enttäuschen: Indien ist entgegen der Vorstellung vieler Menschen nicht das Mekka des Yoga. „Nicht alle Inder machen wirklich Yoga!“, stellte er lachend klar, „Das ist jetzt wohl eine große Enttäuschung“.

Text/Foto: Matthias Dönni (Q2)

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